Wenn es Dich tatsächlich interessiert, dann lehne Dich gerne zurück, das kann jetzt etwas länger werden...

Die Anfänge sind relativ einfach und schnell erzählt:

Zunächst hatte Paps Pferde - und so hatte ich von Kindesbeinen an bis in die Lehrzeit immer irgendwo einen Hufschmied um mich herum. Dann interessierte sich meine Tante für Genealogie, wobei herauskam, dass ein Teil meiner Vorfahren ab 1750 Schmiede und Hufschmiede waren. Frühere Einträge müssten wohl mit etwas mehr Aufwand ausfindig gemacht werden können.

Der letzte Eintrag betrifft Mutters Großvater, der wohl noch zu Zeiten des 2. Weltkriegs geschmiedet hat. Es ist unbekannt, wie, wann und wo er gestorben ist - nur wird mit ihm auch die Schmiedetradition in der Familie ein Ende gefunden haben.

Schmieden lag mir also schon immer irgendwie im Blut. Zwar unbewusst, aber immer irgendwie lauernd im Hintergrund.

Hinzu kommt mein Interesse an alten Berufen. Viele von ihnen sind schon lange ausgestorben, einige von ihnen sterben gerade still und unbemerkt vor sich hin. Mit diesen Berufen sterben die alten Meister, die nun keine Möglichkeit mehr haben, ihr Wissen und Können an junge Generationen weiter zu geben. Alte Betriebsstätten verlieren ihre Zulassung und werden abgerissen, Werkzeuge und Materialien landen auf dem Schrott. Für mich ist das ein schlimmer Gedanke, denn weg ist weg. Ein schönes Beispiel, wie das auch anders gehen kann: Die Messerfabrik Herder in Solingen ("Windmühlenmesser") hat gerade noch die Kurve bekommen: Der alte Pliester Fehrenkampf wurde aus seiner Rente reaktiviert, um jungen Menschen den Feinschliff am Messer beizubringen. Das ist großartig!

Ein besonders schöner Gedanke in der Schmiede ist der der Nachhaltigkeit. Eine alte, kaputte Feile muss nicht weggeworfen werden: man kann noch ein schönes Messer aus ihr machen - der Stahl ist genial! Eine gebrochene Fahrzeugfeder bietet einen super Stahl für die Schneide einer Axt. Irgend ein Stück Rest von irgendwas kann der Rose im Garten zum Ranken helfen. Ein altes Hufeisen kann zu irgendeinem Stück hübscher Deko werden. Gedanken, die in der modernen Wegwerfgesellschaft selten geworden sind. Natürlich muss irgendwann irgendwas neu beschafft werden, nur wird ein altes Hemd lieber weggeworfen, als es zu zerschneiden und die Reste in der Werkstatt als Putzlappen zu gebrauchen - stattdessen kauft man sich lieber ein Super-Duper-Reinigungstuch aus Super-Duper-Werkstattlappen-Spezialstoff aus dem Fachhandel.

Ein weiterer Gedanke in der Schmiede ist der der Sparsamkeit. Überall, wo gedreht, gesägt, gebohrt wird, geht Material verloren - und zwar in einer Weise, wie es nicht mehr verwendet werden kann. Säge- und Bohrspähne braucht niemand mehr. Wenn diese Späne weiter verwendet werden sollen, müssen sie zunächst gesammelt und eingeschmolzen werden. Wenn der Schmied ein Loch macht, so schlägt er es hinein und das Material wird verdrängt. Nur ein sehr kleines Stück wird aus dem Stahl getrieben, man nennt es den "Putzen". Auch wird versucht (zumindest waren die Schmiede früher versucht), teure Werkzeugstähle nur dort einzusetzen, wo sie wirklich nötig sind. Ein Axtkopf kann gerne aus günstigem Baustahl bestehen, nur für die Schneide wird (wurde) guter Stahl genutzt. Auch lässt sich Baustahl wesentlich einfacher bearbeiten, sodass der Schmied leichter und schneller zum Ziel kam.

Ich hatte Dich eingangs begrüßt:

Wer nichts als einen Hammer hat... der kann auch nur ans Nageln denken!

 

Gib' Deinem Hammer

einen Amboss und ein Feuer hinzu!

 

Der erste Satz ist eine "freie" Abwandlung eines Zitats aus quasi-unbekannter Herkunft, doch es ist klar: Wenn Du nur einen Hammer hast, dann kannst Du nur auf irgendwas schlagen. Z.B. einen Nagel in eine Wand, einen Splint aus seinem Loch oder ein Lager vorsichtig in seinen Sitz.

Amboss und Feuer eröffnen alle Wege! Naja, eine Zange fehlt vielleicht noch - aber selbst die kann man sich zur Not auch noch selbst machen.

Auch wenn einem dann alle Wege offen stehen, bedeutet das noch nicht, dass man sie auch gleich alle begehen kann. Es dauert halt, es entwickelt sich. Und wenn man ein wenig Geduld hat und der Entwicklung ein wenig Zeit lässt, dann wird's auch irgendwann. Was auch immer. Aber es ist schon eine eigene Freude, sich selbst bei dieser Entwicklung beobachten zu können!

Ich habe also irgendwann begonnen, mich stärker für das Schmieden zu interessieren - und das Internet macht es einem heute leicht, seine Interessen zu befriedigen. Irgendwann wurde das Interesse größer und es entstand ein nicht weiter definierbarer Druck, endlich selbst zu schmieden. Und noch etwas später stand ein Schmied auf dem Hof, öffnete die Heckklappe seines Autos und führte Ambosse zur Klangprobe vor. Zwei Wochen später wurde geliefert: der Amboss, ein paar Einsteckwerkzeuge, eine Feldschmiede, Zangen, Hämmer, Rakel, zwei Säcke Kohle und ein Kohleschüppchen.

Und dann ging es auch schon los: Hufnagel zum Kettenanhänger biegen, das Feuer machen, eine Spitze an einem Rundstahl anschmieden, abschroten, nächste Spitze schmieden, ein einfaches Messerchen machen, Feuer aus machen. Ein herrlicher Tag!

Seither versuche ich, mindestens ein Mal wöchentlich zu schmieden. Das klappt leider nicht immer. Mal sind es irgendwelche Verpflichtungen, mal ist es das Wetter. Mittlerweile gelingen mir einige Stücke recht passierlich und reproduzierbar, viele von ihnen wandern zu Bekannten und Verwandten. Mindestens ebenso viele stapeln sich hier aber auch.

Tja - und das ist der Moment, den ich für mich und meine kleine Schmiede nutzen will. Seien wir ehrlich: Es fehlt immer irgendwo an irgendwas. Sei es eine Zange, ein Stück Stahl, ein Schweißgerät, eine Halle, ein Lufthammer, ein U-Boot. Und Kohle. Was man halt so braucht.

Und Teile dessen, die fehlen, oder Stähle, die durch Verbrauch ersetzt werden wollen, könnten durch den Verkauf fertig gestellter Stücke finanziert werden. Also: warum nicht?

Und so kommen weitere Themen auf den Tisch: Wie mache ich auf mich aufmerksam, wo biete ich meine Stücke an, wie mache ich Fotos für meine Anzeigen, was wäre ein gutes Schweißgerät für mich?

Das ist eine Entwicklung, die so auch komplett neu für mich ist - und ich habe noch viel auszuprobieren!

Was ich aber auf keinen Fall will, ist hier irgendwie als Superduper-Schmied oder Oberlehrer zu erscheinen. In der Nahrungskette der Schmiede stehe ich ganz unten! Frei nach Wilhelm Buschs "Flink und Frosch":

 

Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein: pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
Bis auf des Baumes Blätterdach
Und bläht sich auf und quackt: »Ja ja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!«
 
Und wie der Vogel frisch und süß
Sein Frühlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.
 
»Juchheija heija!« spricht der Fink.
»Fort flieg ich flink!«
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.
 
»Wat!« ruft der Frosch, »Dat kann ick och!«
Macht einen ungeschickten Satz,
Fällt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat für ewig ausgequackt.
 
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär,
So irrt sich der.

 

[wilhelm-busch-seiten.de]

 

Recht hat er, der gute Wilhelm. Aber es wäre mein Wunsch, Euch durch mein Tun und Handeln von der Couch herunter und vom Tablet weg zu bekommen, um an Euren eigenen Amboss zu treten und zu schmieden. Macht doch einfach mit, es muss nicht mordsmäßig kompliziert oder exorbitant teuer sein!

Ich werde dazu in Bälde einige Beiträge schreiben, wie Ihr Eure eigene kleine Schmiede aufbauen und wie Ihr mit einfachen Dingen mit dem Schmieden beginnen könnt. Das, was ich Euch da zeige, habe ich mir natürlich an anderer Stelle abgeschaut - wie denn auch sonst? Ein Lehrling lernt ja auch von seinem Meister. Nur habe ich hier keinen Meister, aber ich zeige Euch die Dinge so, wie sie für mich schlüssig und nachvollziehbar sind und wie ich sie für mich habe erarbeiten können. Im Hintergrund seht Ihr übrigens meinen ersten Versuch, eine "Dritte Hand" oder "Niederhalter" zu machen. Der Engländer sagt dazu: "Holdfast". Hat nicht geklappt, das Ding verklemmt sich nicht im Loch vom Amboss. Aber das Bild ist ganz hübsch geworden...

Wenn Euch das alles interessiert, dann möchte ich Euch herzlich dazu einladen, mich hier ein Stück auf meinem Weg zu begleiten. Wenn Euch etwas auffällt oder Euch etwas spezielles interessiert, bitte ich Euch, mir eine E-Mail zu schreiben. Ich melde mich auf jeden Fall bei Euch!

 

Tja, das wären so grob meine Gründe, warum ich das hier so umsetze. Wenn mir noch was einfällt, ergänze ich es hier. Vielleicht gefällt es ja einem von Euch - lasst mich davon wissen, da hätte ich echt Freude dran!

 

Also: Viel Spaß hier - wir lesen uns!

Anschrift:

 

(Bitte keine Besuche ohne Absprache!)

Kleinschmiede
Michael Brochhagen
Andruper Weg 3
D-48369 Saerbeck

T: +49 2574 93 96 34-0
F: +49 2574 93 96 34-9
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