Es gibt ein schönes Buch über die Geschichte von Saerbeck: "Saerbeck - Geschichte des Dorfes und seiner Bauerschaften", herausgegeben von der Gemeinde Saerbeck und dem Heimatverein Saerbeck. Eigentlich ist es eher eine Büchersammlung verschiedener Autoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten - und keiner dieser Schwerpunkte betrifft direkt Schmiede. Doch lassen sich darin hier und dort auch Hinweise auf Schmiede finden.

Ich beginne aber ein paar Jahre vorher: Geschmiedet wird seit der Bronzezeit, einer Epoche, die vor etwa 4.500 Jahren begann. Wahrscheinlich begann es damit, eher weiche und vom Boden aufgreifbare Werkstoffe, wie Kupfer und Gold, zu verarbeiten. Das Schmieden von Eisen zu Werkzeugen tritt dann eher in der danach folgenden Eisenzeit auf, die man von ca. 800 v. Chr. bis etwa 500 n. Chr. rechnet.

Dabei scheint es so, als ob sich die jeweils daraus entstandenen Fertigkeiten und Handwerke zunächst im nahen Osten entwickelten um erst in der Folge und Schritt für Schritt in Mitteleuropa bekannt und genutzt zu werden.

Archäologische Funde belegen, dass vor etwa 11.000 Jahren die ersten Menschen im Gebiet des heutigen Saerbeck umher liefen. Um das Jahr 1100 n. Chr. wird Saerbeck erstmals namentlich erwähnt (der Bauernhof "sarbikie Hoio" sollte Roggen an das Stift liefern), eine Urkunde nennt Saerbeck erstmals 1122. Zunächst gab es hier und dort Bauern, dann siedelten Handwerker und Händler an, sodass ein paar Häuschen entstanden und die erste Kirche um 1200 gebaut wurde. Um das Jahr 1500 herum zählte man in Saerbeck 600 bis 700 Einwohner, um 1850 herum bereits etwa 1.900. Heute, Stand 2019, zählt Saerbeck 7.117 Einwohner.

Zwischen der B475 und der Ems, etwa dort, wo sich heute der Badesee befindet, sind Eisenschlacken, Flint und eine Sichel gefunden worden, die zur Annahme führten, dass dort eine kleine Eisenhütte betrieben werden musste. Das wird etwa um das Jahr 800 herum gewesen sein.

Für das Jahr 1855 findet man Nachweise darüber, dass die Georgsmarienhütte (das Unternehmen, nicht die Stadt, die nach ihr benannt wurde) in Brochterbeck, Ibbenbüren, Osnabrück und Saerbeck Raseneisenerze abbaut und zum Stahlwerk bringen lässt. Von Saerbeck nach Georgsmarienhütte sind's mindestens 35km. Raseneisenerz ist ein Brauneisenerz mit einem Eisengehalt von 6...8%. Nasse Wiesen und Moore sind die Fundplätze von Raseneisenerz in Form von Knollen, Klumpen oder gar zusammenhängenden Lagen.

Folgende Angaben lassen sich finden:

 

Jahr Fläche Arbeiter Pferde Tonnen/täglich
 1894  0,75ha 23 12 45,3
 1896 1,5ha 8 4 8,5

 

1898 ist so ziemlich Schluss mit der Plackerei, es werden von 0,25ha Land nur noch 18 Tonnen Eisenerz pro Quartal durch 13 Arbeiter mit 5 Pferden und "einem Pferd auf dem Gleise" nach Glashütte gebracht.

Danach wird 80...85%iges Erz aus Schweden eingeführt und verarbeitet.

Ach, übrigens: "Plackerei"... Das Wort Plackerei als Synonym für Schinderei, Knochenarbeit, Quälerei etc., hat ihren Ursprung im "Plaggen". Plaggen ist die Arbeit, die Saerbecks Bauern auf Münsterlands sandigem und wenig fruchtbaren Boden durchführten, um Anbau betreiben zu können. Dabei wurde fruchtbarer Boden, auch aus der weiteren Umgebung, etwa handbreit abgetrgagen (das waren dann die "Plaggen"), in den Stall gebracht und dann vermischt mit Stoh und dem Viehmist als fruchtbarer Boden auf den Acker gelegt, teilweise und über viele Generationen hinweg bis zu einen Meter hoch. Das Plaggen der Bauern damals ist jedenfalls mit ein Grund dafür, dass es hier zwar viel Ackerland, doch nur übersichtlich viel Wald gibt.

Die Schmiede in Saerbeck hatten überwiegend die Aufgaben, Pferde zu beschlagen sowie Werkzeuge für die Bauern und Radreifen für Kutschen herzustellen. Zwischen 1804 und 1828 werden sieben Schmiedefamilien genannt, die ihre Schmieden in und außerhalb des Dorfes betrieben.

Von einer Familie ist zu lesen, dass sie 1836 nach Amerika auswanderte. Insgesamt stolpert man heute aber immer wieder über die alten Familiennamen der Schmiede von damals: Die Werkstätten wurden nicht mehr gebraucht und schweren Herzens aufgegeben, die Familien blieben jedoch und orientierten sich um.

Ich werde zur Geschichte der Saerbecker Schmiede noch weiter forschen und Euch dann hier an dieser Stelle berichten - wir lesen uns!

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Andruper Weg 3
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